Fata Morgana
Fata Morgana - Naturwunder und Zauberspuk
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FATA MORGANA -
Naturwunder und Zauberspuk

 

 "ZEIT"- Kritik von Barbara Sichtermann:

Überirdisches Licht

 

Wasserflächen in der Wüste, versunkene Städte, die plötzlich wieder auftauchen, Geisterschiffe, die durch die Luft schweben, und Karawanen, die übers Meer ziehen – für solche bizarren und vielfältigen Trugbilder gibt es einen Sammelnamen: Fata Morgana. Physikalisch ist das Phänomen entschlüsselt; bereits im 17. Jahrhundert haben gelehrte Mönche erste Hypothesen aufgestellt, die in die richtige Richtung wiesen. Stoßen Luftschichten von stark unterschiedlicher Temperatur aufeinander, wobei die bodennähere die wärmere sein muss, kommt es zu Spiegelungseffekten, die dem menschlichen Auge tanzende Berge, fliegende Leuchttürme und Oasen in der Steppe vortäuschen. Aber die Physik hat den Menschen nie gereicht, um die Fata Morgana zu erklären. Ein bisschen Spuk und Zauber sollte schon sein, und so bleibt die übernatürlich anmutende Naturerscheinung bis heute umwoben von Mythen und Mysterien.

Es fängt schon mit dem Namen an. „Fata“ heißt Zauberfee, und „Morgana“ ist ein weiblicher Eigenname, aber nicht irgendeiner, sondern der einer keltischen Göttin oder zumindest der Schwester des legendären König Artus. Für die Magierin aus Tintagel war es eine Kleinigkeit, allerlei Phantome ans Firmament zu hexen, die davon raunen, dass der siegreiche König irgendwann wiederkehrt – wovon sogar Bodenmosaiken in süditalienischen Kirchen künden, da, wo die Fata Morgana einst ihren Namen bekam und besonders häufig gesichtet wurde: in der Strasse von Messina.

Ist das nicht alles ein bisschen viel? Nach den ersten Sequenzen des Films Naturwunder und Zauberspuk kommt es einem so vor, als sei hier all zu viel Mythologie unter einer eher schlichten Thematik aus dem Bereich Wetter versammelt. Aber dieser Eindruck ist trügerisch. Bleibt man, gebannt durch die außerordentlichen Bilder, dabei, erkennt man bald, dass der inhaltlich weit ausgreifende Film doch immer bei seiner Sache bleibt, dass die Nebel von Avalon und die Luftspiegelung, das Schwert Excalibur und die Göttin Morgain, dass Sinnestäuschungen am Polarkreis und auf Sizilien sehr wohl aufeinander bezogen sind. Filmemacher Michael Engler hat sein reiches, interessantes und faszinierend schönes Material so raffiniert geordnet, dass eine Dokumentation wie eine Fata Morgana daraus geworden ist: man hat das alles noch nicht gesehen, glaubt nicht, dass es das gibt, und unterwirft sich am Ende demütig den Künsten der Zauberfee.

Kann man eine Fata Morgana fotografieren? Man kann. Es scheint sogar möglich zu sein, einen ganzen Film in ein so eigenartig überirdisches Licht zu tauchen, dass der aufgeklärte Zuschauer sich von der Fee Morgana in ein Zauberreich entführt sieht, in dem er die Verwandtschaft des römischen, keltischen und orientalischen Mythos überrascht inne wird. Da fängt einer mit der Analyse eines Namens an und endet bei einem Sagenkreis, der Morgenland und Abendland zusammenschließt.

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